Ratgeber · Dach und Solar

Wie viel Ertrag kostet
Verschmutzung wirklich?

Kurz gesagt

Europaweit im Mittel 0,9 Prozent Jahresertrag, wenn der Regen die Module vollständig reinigt. Tut er das nur zu einem Zehntel, sind es 5,3 Prozent.

Auf Stalldächern nennt die DLG 10 bis 15 Prozent, bei extremer Verschmutzung bis zu 30. Beides stimmt — es sind verschiedene Dächer.

Stand 21.10.2026 · alle Zahlen mit Quelle am Seitenende

Warum liegen die Angaben zum Ertragsverlust so weit auseinander?

Weil die Quellen verschiedene Dinge messen. Wer sie nebeneinanderlegt, sieht statt eines Widerspruchs ein System.

Die Spanne reicht von „unter einem halben Prozent" bis „dreißig Prozent", und beides ist belegt. Der Unterschied liegt in drei Punkten: welche Dächer gemeint sind, welche Art Schmutz untersucht wurde, und vor allem welche Annahme über die Reinigungswirkung des Regens in der Rechnung steckt.

QuelleWas dahinter stehtErgebnisGilt für
DLR u. a., 2025
Europa-Karten
Messwerte von Sensoren in ganz Europa, hochgerechnet über Reanalysedaten, 2003 bis 2023 0,9 %
bzw. 5,3 %
Europa im Mittel. Der erste Wert gilt, wenn Regen vollständig reinigt, der zweite bei zehn Prozent Reinigungswirkung.
Dieselbe Studie
Alpenländer
Median der Alpenregion, zwei Modellvarianten unter 0,5 %
bzw. unter 3,0 %
Das untere Ende Europas. Relevant für Österreich.
Dieselbe Studie
Südeuropa
Spitzenwerte einzelner Standorte in Spanien und Griechenland über 12 % Lange Trockenperioden im Sommer. Nicht übertragbar auf Oberösterreich.
DLG-Merkblatt 414
Ställe
Praxiswissen zur Reinigung landwirtschaftlicher Anlagen, Stallstäube überwiegend organisch 10 bis 15 %
extrem bis 30 %
Landwirtschaftliche Umgebung. Klebender, organischer Staub statt Mineralstaub.
Globale Schätzung
in der DLR-Studie zitiert
Weltweite Hochrechnung über alle Klimazonen, Wüsten eingeschlossen 4 bis 7 % Die Welt. Deshalb taugt die Zahl nicht für ein Dach in Oberösterreich.

Die vierte Zeile ist der Grund, warum „bis zu 30 Prozent" in Werbetexten steht, obwohl der europäische Mittelwert unter einem Prozent liegt. Beide Zahlen sind richtig — für verschiedene Dächer.

Was ist die Reinigungswirkung des Regens?

Der Anteil der Ablagerung, den ein Regenereignis wieder abwäscht. Fast alle älteren Rechenmodelle haben angenommen, dass er hundert Prozent beträgt: nach jedem ordentlichen Regen sei das Modul wieder sauber. Genau diese Annahme hat die DLR-Auswertung aufgebrochen, indem sie beide Extreme durchgerechnet hat.

Das Ergebnis ist der Grund für die ganze Spanne. Dieselben Dächer, dasselbe Wetter, dieselben Messdaten — aber 0,9 Prozent, wenn Regen vollständig reinigt, und 5,3 Prozent, wenn er nur ein Zehntel abwäscht. Die Autoren schreiben, in den meisten Anlagen liege die Wirklichkeit dazwischen, abhängig davon, wie stark der Schmutz haftet.

Und was die Haftung treibt, steht im IEA-Bericht: feine Partikel sind meist wasserlöslich und gehen leicht mit, aber bei hoher Luftfeuchte mit Trockenphasen dazwischen steigt die Haftung stark an. Genau dieses Wetter hat Oberösterreich einen großen Teil des Jahres.

Das Prinzip: Ablagerung läuft stetig, Regen setzt zurück
Regen Reinigungswirkung 100 % Reinigungswirkung 10 % Verlust

Grafik seitlich wischen

Schematisch. Entscheidend ist die Form: bei vollständiger Reinigung pendelt der Verlust um einen kleinen Mittelwert, bei schwacher Reinigung wächst er über das Jahr in ein neues Gleichgewicht hinein.

Wie viel Ertrag kostet Verschmutzung über ein Jahr?

Hier läuft ein Jahr in Tagesschritten durch: Ablagerung, Regenereignisse, Abtrag. Der Regler ändert nur eine Größe — die Reinigungswirkung des Regens.

Das Modell hat genau zwei freie Größen: die tägliche Ablagerungsrate und die Sättigung, bei der eine Schmutzschicht kaum noch zusätzlich abschattet. Beide sind so eingestellt, dass die Simulation die zwei veröffentlichten Eckpunkte der DLR-Studie trifft — 0,9 Prozent bei vollständiger und 5,3 Prozent bei zehnprozentiger Reinigungswirkung. Alles dazwischen ist das Ergebnis der Rechnung, nicht eine weitere Annahme.

Ein Jahr in 365 Tagesschritten

Grafik seitlich wischen

Mittlerer Jahresverlust
—Mittel über 365 Tage
Höchster Tageswert
—vor dem letzten Regen
Verlust je 10.000 kWh Jahresertrag
—rein rechnerisch
Regentage werden mit einem festen Startwert zufällig über das Jahr verteilt, damit die Kurve bei gleichen Einstellungen immer gleich aussieht. Die Verteilung folgt dem für Mitteleuropa belegten Muster: regelmäßiger Regen über das ganze Jahr, kein trockener Sommerblock.

Wie viel Ertrag kostet Verschmutzung in Österreich?

Österreich liegt im günstigen Teil der europäischen Karte. Für die Alpenländer weist die DLR-Auswertung die niedrigsten Werte des Kontinents aus: der Median liegt unter 0,5 Prozent im Grundmodell und unter 3,0 Prozent im strengeren Modell. Grund ist der regelmäßige Niederschlag — es gibt hier keine monatelange Trockenphase, in der sich alles aufbaut.

Dafür gilt die zweite Beobachtung: in Mitteleuropa sind die Verluste über das Jahr gleichmäßig verteilt. In Südeuropa kann man auf den Regen nach dem Sommer warten, hier gibt es diesen einen Moment nicht. Was liegt, liegt durchgehend.

Und die Karte beschreibt Regionen, nicht Dächer. Innerhalb einer Region entscheidet die örtliche Lage, und die kann weit über dem Regionalwert liegen — ein Stalldach im Innviertel folgt dem DLG-Korridor, nicht dem Alpenmedian.

Österreich im europäischen Vergleich
Alpenländer, Median Europa, Mittelwert Südeuropa, Spitzenstandorte unter 0,5 bis 3,0 % 0,9 bis 5,3 % über 12 % durchgezogen: Grundmodell · gestrichelt: Modell mit schwacher Reinigungswirkung des Regens

Grafik seitlich wischen

Alle Werte aus derselben Studie (DLR u. a., 2025). Die Balken sind maßstäblich zur Skala der Prozentwerte.

Mit welchem Verlust rechnen Ertragsprognosen?

Üblicherweise mit 1,0 bis 3,5 Prozent — pauschal, unabhängig vom Standort. Die DLR-Autoren halten das ausdrücklich für fragwürdig und sagen auch, in welche Richtung der Fehler geht: in den nordischen Ländern und in den Alpenregionen führen solche Annahmen zu einer Überschätzung der Verluste und damit zu einer Unterschätzung des Ertrags. In Teilen Südeuropas ist es umgekehrt.

Für ein Dach in Oberösterreich heißt das: wenn Ihre Prognose drei Prozent Verschmutzungsverlust angesetzt hat, war das wahrscheinlich zu pessimistisch — solange der Regen bei Ihnen gut arbeitet. Umgekehrt deckt keine pauschale Prognoseannahme ein Stall- oder Industriedach ab.

Was daraus praktisch folgt, steht auf den beiden Nachbarseiten: ob sich eine Reinigung für Ihr Dach rechnet und wie oft sie nötig ist.

Wohin die Pauschalannahme zeigt
Annahme 1,0 – 3,5 % Alpenraum: Verluste werden überschätzt, der Ertrag damit unterschätzt Teile Südeuropas: Verluste werden unterschätzt

Grafik seitlich wischen

Aussage der Studie, nicht unsere Bewertung: pauschale Verschmutzungsannahmen passen weder im Norden noch im Süden.

Was wir Ihnen hier nicht sagen können

  • Keinen Wert für Ihre Postleitzahl. Die veröffentlichten Karten arbeiten regional; ein einzelnes Dach kann weit darüber oder darunter liegen.
  • Keine Reinigungswirkung des Regens für Ihr Dach. Sie ist die entscheidende Größe und messbar nur über Monate hinweg am eigenen Ertrag.
  • Nichts aus dem IEA-Bericht über Vogelkot, Moos und Flechten — er nimmt diese Quellen ausdrücklich aus.
  • Keine Zahlen von uns selbst. Dachglanz hat noch keine eigenen Messreihen; sobald es sie gibt, stehen sie hier.

Quellen

  1. Fernández Solas, Á.; Riedel-Lyngskær, N.; Hanrieder, N.; Norde Santos, F.; Wilbert, S.; Nygard Riise, H.; Polo, J.; Fernández, E. F.; Almonacid, F.; Talavera, D. L.; Micheli, L.: „Photovoltaic soiling loss in Europe: Geographical distribution and cleaning recommendations", Renewable Energy 239 (2025) 122086. — 0,9 % Mittel für Europa bei vollständiger Reinigung durch Regen, 5,3 % bei zehn Prozent Reinigungswirkung; Alpenländer Median unter 0,5 bzw. 3,0 %; Spitzen über 12 % in Spanien und Griechenland; gleichmäßige Verteilung der Verluste in Mitteleuropa; Prognoseannahmen von 1,0 bis 3,5 % führen im Alpenraum zur Überschätzung der Verluste; global zitierte Schätzung 4 bis 7 %. doi.org/10.1016/j.renene.2024.122086
  2. IEA PVPS, Report IEA-PVPS T13-21:2022: „Soiling Losses — Impact on the Performance of Photovoltaic Power Plants", Task 13. — Partikel von 2 bis 63 Mikrometern meist wasserlöslich; Haftung steigt stark bei hoher Luftfeuchte mit Trockenphasen; Verschmutzung räumlich sehr ungleich verteilt; der Bericht behandelt ausdrücklich keinen Vogelkot, kein Moos und keine Flechten. iea-pvps.org
  3. DLG-Merkblatt 414: „Reinigung von Solaranlagen auf Ställen", 2. Auflage, Stand 9/2016, DLG e.V. — 10 bis 15 % Ertragsverlust in landwirtschaftlicher Umgebung, bei extremer Verschmutzung bis 30 %; Stallstäube hauptsächlich organische Verbindungen. dlg.org
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